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Schwarzweißbild von einem Menschen in einer Gruppe

Hodenkrebs

Von der Früherkennung über die Therapie bis zur Nachsorge

Einleitung

»Eine Schwellung im Hoden? Wird schon nichts zu bedeuten haben.« Mit solchen und ähnlichen Gedanken reagieren viele Männer auf Anzeichen von Krankheit oder Veränderungen an ihrem Körper. Geht es um die Geschlechtsorgane, kommt womöglich ein Gefühl der Scham hinzu. Es kostet Überwindung, sich einzugestehen, dass etwas nicht stimmt. Und vielleicht ist auch die Untersuchung im Intimbereich eine unangenehme Vorstellung.

Es ist wichtig, dass Sie Warnsignale Ihres Körpers nicht ignorieren. Denn Veränderungen an den Hoden können ein Symptom von Hodenkrebs sein. Dieser ist sehr gut behandelbar – wenn er frühzeitig erkannt wird. Hodenkrebs ist eine vergleichsweise seltene Tumorerkrankung: Pro Jahr wird sie in Deutschland bei etwas mehr als 4.000 Männern diagnostiziert. Allerdings nimmt die Zahl der Neuerkrankungen weltweit zu. Die Ursache hierfür ist unklar.

Eine Besonderheit des Hodenkrebs ist, dass er im Unterschied zu fast allen anderen Krebsarten in erster Linie junge Männer betrifft. Trotz der relativen Seltenheit ist das Hodenkarzinom die häufigste bösartige Krebserkrankung bei Männern zwischen 20 und 45 Jahren.* In Deutschland gibt es zwar eine urologische Krebsfrüherkennung, zu der auch eine Untersuchung der Hoden gehört. Allerdings wird diese Vorsorge erst ab dem 45. Lebensjahr angeboten. Umso wichtiger ist, dass Sie selbst achtsam sind und Ihre Hoden regelmäßig abtasten. Wie das geht und welche Warnzeichen und Risikofaktoren für Hodenkrebs es gibt, erfahren Sie im folgenden Text.

Vielleicht haben Sie diese Seite auch gefunden, weil Sie oder ein Ihnen nahestehender Mann die Diagnose Hodenkrebs bekommen haben. Hier finden Sie Informationen zu den Therapiemöglichkeiten und hilfreiche Anregungen für das weitere Vorgehen bei dieser Krebserkrankung.

* Quelle: Zentrum für Krebsregisterdaten des RKI, https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Hodenkrebs/hodenkrebs_node.html;jsessionid=7F5F855E1255908DB8436F5C3751EEB4.internet101

Die Hoden: Klein, aber oho!

Die Hoden, auch Testikel genannt, gehören zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen. Sie befinden sich – gemeinsam mit den Nebenhoden und Teilen der Samenleiter – im Hodensack und sind paarig vorhanden. Jeder Hoden hat ungefähr die Größe und Form einer Zwetschge, wobei sich die Größe im Laufe des Lebens leicht verändert. Die Hoden entstehen bei männlichen Embryonen zunächst in der Bauchhöhle und wandern bis zur Geburt in den Hodensack. Bei einigen Neugeborenen befinden sich ein oder beide Hoden allerdings noch nicht an ihrem »normalen« Platz. Man spricht in diesem Fall von einem Hodenhochstand. Männer mit Hodenhochstand haben ein signifikant höheres Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken – deshalb ist es wichtig, dass Sie wissen, ob Sie als Kind von dieser Fehllage der Hoden betroffen waren.

Zwei äußerst wichtige Funktionen haben die Testikel: Zum einen werden in ihnen die männlichen Sexualhormone, vor allem das Testosteron, gebildet. Zum anderen produzieren die Hoden die Samenzellen des Mannes, ohne die eine Fortpflanzung nicht möglich ist. Pro Sekunde werden in den Hoden etwa 2.500 Spermien gebildet. Aufgrund der großen Wärmeempfindlichkeit der Samenzellen ist die Temperatur im Hodensack niedriger als im restlichen Körper – sie beträgt nur etwa 33 bis 35 °C.

Was sind Hodentumoren?

Als Hodenkrebs, Hodentumor oder auch Hodenkarzinom werden krankhafte Veränderungen im Gewebe des Hodens bezeichnet. Bei erwachsenen Männern sind etwa 95 Prozent der Hodentumoren bösartig. Sie bilden sich aus den sogenannten Keimzellen, weshalb sie als Keimzelltumoren bezeichnet werden. Der häufigste bösartige Keimzelltumor im Hoden ist das "Seminom": Es entwickelt sich aus den Zellen, die für die Spermienproduktion zuständig sind. Alle anderen Keimzelltumoren in den Hoden werden als Nicht-Seminomen bezeichnet. Seminomen und Nicht-Seminomen unterscheiden sich hinsichtlich des Krankheitsverlaufs und der Heilungschancen. Seminomen treten häufiger in der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen auf und gelten als gut therapierbar. Nicht-Seminomen sind aggressiver und betreffen vor allem Patienten im Alter von 20 bis 30 Jahren.

Hodenkrebs gehört – obwohl er nur etwa einen von 10.000 Männern betrifft – zu den intensiv erforschten Krebsarten. Zudem sind Hodenkarzinome in den meisten Fällen sehr erfolgreich behandelbar: Etwa 97 Prozent der Betroffenen können langfristig geheilt werden. Für den Behandlungserfolg ist wichtig, welche Art von Tumor vorliegt, in welchem Stadium der Krebs erkannt wird, ob er schon Metastasen gebildet hat, wie alt der Patient ist und – ganz wichtig! – ob die richtige Therapie zur Anwendung kommt.

Verdacht auf Hodenkrebs: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Für junge Männer wird in Deutschland keine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung der Hoden angeboten. Die meisten Hodentumoren werden deshalb von den Betroffenen selbst entdeckt. Weiter unten finden Sie eine Anleitung, wie Sie Ihre Hoden regelmäßig selbst abtasten können. Dieser »Hodencheck« ist eine wichtige Vorsorgemaßnahme!

Die folgenden Symptome können auf eine bösartige Veränderung hindeuten:

  • Die Größe eines Hodens hat sich verändert.
  • In einem der Hoden können Sie einen Knoten oder eine härtere Stelle ertasten.
  • Sie spüren ein schmerzhaftes Ziehen in den Hoden.
  • Ihnen kommt es so vor, als ob Ihre Hoden schwerer geworden sind; Sie spüren deren Gewicht deutlicher.
  • Der Hodensack ist geschwollen.
  • Sie fühlen sich schlapp, sind weniger leistungsfähig, haben manchmal Atemnot oder verlieren stark an Gewicht. Hinter diesen eher diffusen Symptomen können viele verschiedene Ursachen stecken – unter anderem auch eine Tumorerkrankung in den Hoden.

Suchen Sie unbedingt Ihren Hausarzt oder Urologen auf, wenn Sie eine der genannten Veränderungen an Ihrem Körper wahrnehmen. Falls Sie unsicher sind, ob Sie wirklich eine Verhärtung spüren oder ob Ihre Abgeschlagenheit einen ernsten Hintergrund hat: Gehen Sie lieber einmal zu viel zum Arzt!

Die Hoden selbst abtasten: So geht’s

Jungen und Männer zwischen 15 und 45 Jahren sollten ihre Hoden regelmäßig – am besten einmal im Monat – selbst abtasten. Nehmen Sie sich zum Beispiel vor, diesen »Hodencheck« immer am Monatsersten durchzuführen, und machen Sie sich zur Erinnerung ein kleines Zeichen in Ihren Kalender. Am Anfang wird sich das Selbstabtasten vielleicht noch komisch anfühlen. Mit der Zeit werden Sie Ihre Hoden aber sehr genau kennen und kleinste Veränderungen leicht erspüren. Beim Abtasten sollten die Hoden weich und entspannt sein, was zum Beispiel unter der warmen Dusche der Fall ist. Führen Sie den Check immer im Stehen durch.

Und so geht’s: Schieben Sie zunächst Ihre flache Hand unter den Hodensack mit den Hoden. Betasten Sie Ihre Hoden von unten, bewegen Sie sie leicht auf und ab. So bekommen Sie ein Gefühl für das Gewicht und die Größe Ihrer Hoden. Achten Sie auf Veränderungen – zum Beispiel darauf, ob sich die Größe eines Hodens im Vergleich zum letzten Abtasten verändert hat.

Als Nächstes tasten Sie jeden der beiden Hoden einzeln ab. Nehmen Sie die Hoden zwischen Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger und rollen Sie sie leicht hin und her. So können Sie Knoten oder Verhärtungen sehr gut spüren.

Wichtig zu wissen: Ein Tumor tut in den meisten Fällen nicht weh! Achten Sie also vor allem auf nicht schmerzende auffällige Stellen.

Schräg oben auf jedem Hoden liegt – wie ein kleines Hütchen – der Nebenhoden auf. Am Übergang fühlen Sie einen kleinen Hubbel, der leicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden kann. Nach ein paarmal Abtasten werden Sie aber genau wissen, wo bei Ihnen die Nebenhoden zu ertasten sind.

Machen Sie abschließend noch eine »Sichtkontrolle«, für die Sie auch einen Spiegel zur Hilfe nehmen können. Prüfen Sie, ob Ihr Hodensack größer aussieht als gewöhnlich.

Vereinbaren Sie möglichst bald einen Termin bei einem Urologen, wenn Sie bei der Tast- und Blickuntersuchung etwas Auffälliges bemerkt haben. Wenn es sich um einen »Fehlalarm« handelt: Umso besser!

Wer hat ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken?

Wer hat ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken? Die Ursachen für das Entstehen von Hodenkrebs sind (noch) nicht ein-deutig identifiziert. Unklar ist auch, warum die Zahl der Hodenkrebspatienten weltweit in den vergangenen Jahren kontinuierlich zunimmt. Es gibt aber einige Risikofaktoren, die unstrittig sind.

Männer, auf die einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen, haben ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken:

  • Sie haben beziehungsweise hatten als Säugling einen Hodenhochstand.
  • Sie hatten bereits einen Keimzelltumor in einem Ihrer Hoden.
  • Bei Ihnen liegt eine Unfruchtbarkeit oder eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vor.
  • In Ihrer engen Familie ist ein Mann an Hodenkrebs erkrankt zum Beispiel Ihr Vater oder ein Bruder.
  • Ihre Brustdrüsen sind geschwollen und/oder schmerzen (manche Hodentumoren produzieren weibliche Geschlechtshormone).
  • In einer Gewebeprobe aus einem Ihrer Hoden wurden sogenannte TIN-Zellen gefunden. Diese Krebsvorläuferzellen können
  • schon Jahre vor dem Krebswachstum nachgewiesen werden.
  • Eine Gewebeprobe wird zum Beispiel bei Männern vorgenommen, deren Hoden zu wenige oder keine Spermien produzieren.

 

Auf Sie trifft einer der genannten Punkte zu? Bitte sprechen Sie mit Ihrem Urologen über Ihr persönliches Risiko, ein Hodenkarzinom zu
entwickeln. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob zum Beispiel eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung der Hoden ratsam ist.

Was Sie auf jeden Fall machen sollten: Führen Sie konsequent einmal im Monat die beschriebene Tastuntersuchung durch!

Verdacht auf Hodenkrebs: Was nun?

Wenn die Tastuntersuchung auffällig war oder Sie zu den Männern mit erhöhtem Hodenkrebsrisiko gehören, sollten Sie zeitnah zum Arzt gehen. Viel zu häufig handeln Männer erst, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, die weitere Beschwerden verursachen. Je
früher eine bösartige Tumorerkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen!

Um einen Krebsverdacht abzuklären, wird Ihr Urologe verschiedene Untersuchungen vornehmen. In einem ausführlichen Gespräch, der
Anamnese, wird er zunächst Ihre Krankengeschichte mit Ihnen besprechen. Welche Beschwerden haben Sie - und seit wann? Gibt es
Vorerkrankungen? Liegen Risikofaktoren wie ein Hodenhochstand vor? Zudem wird Ihr Arzt beide Hoden gründlich abtasten. Gibt es einen Tumor, wird der Urologe ihn vermutlich schon bei dieser Tastuntersuchung bemerken.

Mithilfe einer Ultraschallaufnahme kann der Arzt abklären, ob tatsächlich eine Gewebeveränderung in einem Ihrer Hoden vorliegt. Falls ja, wird er womöglich auch Ihren Bauchraum mithilfe des Ultraschalls betrachten. So kann er sehen, ob Lymphknoten vergrößert sind oder sich bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben.

Zwei von drei Hodenkarzinomen lassen sich zusätzlich durch sogenannte Tumormarker im Blut nachweisen. Dabei handelt es sich um Eiweiße, die von den Krebszellen gebildet werden. Allerdings: Nicht alle Männer mit Hodenkrebs haben Tumormarker im Blut. Und nicht alle Männer mit Tumormarkern im Blut haben Hodenkrebs. Deshalb kann die Blutuntersuchung keine sichere Diagnose liefern. Allerdings
kann sie unterstützend zum Einsatz kommen, und die Blutwerte können zum Beispiel für Verlaufskontrollen herangezogen werden.

Wenn die genannten Untersuchungen einen auffälligen Befund liefern, sind ein operativer Eingriff und weitere Untersuchungen unumgänglich. Ihr Arzt wird das Vorgehen ausführlich mit Ihnen besprechen.

Der Verdacht auf Krebs ist für alle Patienten und auch deren Angehörige immer ein großer Schock. Viele Fragen stehen im Raum: Bestätigt sich der Verdacht? Falls ja: Ist der Tumor bösartig? Kann er gut behandelt werden? Kann ich nach der Behandlung noch Vater werden?
In einer solchen Situation ist es wichtig, dass Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt gut aufgehoben und informiert fühlen. Fragen Sie immer nach, wenn Sie etwas nicht oder nicht gut verstanden haben. Lassen Sie sich alle Behandlungsschritte erklären. Und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheit die Meinung eines zweiten Experten einzuholen!

Im Übrigen hat auch Ihr Arzt die Möglichkeit, die von ihm angedachte Vorgehensweise durch einen von der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. ausgewiesenen Experten für Hodentumoren begutachten zu lassen. Mehr Informationen zum Projekt »Konsil Urologie« finden Sie ganz am Ende dieses Ratgebers.

Diagnose Hodenkrebs: So geht es jetzt weiter

Wenn die vorgenommenen Untersuchungen bestätigt haben, dass es an einem Ihrer Hoden eine Gewebeveränderung gibt, wird Ihr Arzt Sie an eine Klinik überweisen, die auf die Diagnostik und Behandlung von Hodentumoren spezialisiert ist. Denn eine sichere Diagnose kann zumeist erst durch eine Operation getroffen werden. Im Vorfeld des Eingriffs werden Sie über alle Eventualitäten und Risiken informiert.

Während der OP wird über einen kleinen Schnitt der betroffene Hoden freigelegt, In der Regel kann der Urologe nun sehen, ob es sich bei der fraglichen Stelle in Ihrem Hoden wirklich um einen Tumor handelt. Gegebenenfalls entnimmt der operierende Arzt auch eine Gewebeprobe und lässt diese direkt auf Krebszellen untersuchen. Bestätigt sich der Verdacht und liegt ein bösartiger Tumor vor, wird der betroffene Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang entfernt und auf Wunsch durch eine kosmetische Prothese ersetzt. Der Hodensack sieht so auch nach der Entnahme eines Hodens ganz »normal« aus. Zusätzlich kann der Arzt bei einem individuell erhöhten Risiko eine kleine Gewebeprobe des zweiten Hodens entnehmen - diese kann dann auf Krebsvorstufen untersucht werden.

Wurde der Tumor erfolgreich entfernt, muss das entnommene Gewebe genau untersucht werden. Dieser Vorgang nennt sich Histologie. Es wird bestimmt, ob es sich bei dem Tumor um ein "Seminom" oder ein "Nicht-Seminom" handelt, wie groß er ist, in welchem Stadium sich der
Krebs befindet und, ob er sich auf andere Organe in Ihrem Körper ausgebreitet hat. All diese Informationen werden benötigt, damit festgelegt werden kann, wie Ihre weitere Behandlung ablaufen soll.

Der Urologe erstellt also einen genauen Steckbrief des Tumors. Für diesen Steckbrief gibt es konkrete Vorgaben, sodass auch jeder andere
Arzt ihn lesen und verstehen kann. In der Regel sind zusätzliche Untersuchungen des Blutes und auch bildgebende Verfahren wie eine
Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich. Das Ziel aller Maßnahmen ist es, ein möglichst genaues Bild von Ihrer individuellen Erkrankung zu bekommen. Auch muss geklärt werden, ob der Hodenkrebs bereits Metastasen gebildet hat, die behandelt werden müssen.

Zwischen der ersten Operation und der weiteren Therapie vergeht in der Regel einige Zeit. Es ist verständlich, wenn Sie ungeduldig werden und am liebsten schnellstmöglich handeln möchten, Wichtig ist aber, dass alle erforderlichen Untersuchungen gemacht werden, damit Sie eine optimale Behandlung bekommen können!

Sonderfall: Wenn beide Hoden betroffen sind

Sehr selten sind beide Hoden von einem Tumor betroffen oder ein Hoden musste bereits in einer früheren Operation entfernt werden. In diesen Fällen wird überprüft, ob die Wucherungen schonend ausgeschabt werden können, um die Funktion der Hoden zu erhalten. Falls das nicht möglich ist, können Betroffene eine Spermaprobe durch Einfrieren konservieren lassen. So ist ein Kinderwunsch auch nach der vollständigen Entfernung beider Hoden erfüllbar. Des Weiteren kann Ihr Urologe Ihnen das Hormon Testosteron verschreiben, um die fehlende Hormonproduktion der Hoden auszugleichen.

Nach der OP: Verschiedene Möglichkeiten der Weiterbehandlung

Abhängig davon, wie der bei Ihnen entfernte Tumor klassifiziert wurde, wird die weitere Therapie geplant. Auch hierfür gibt es eine sogenannte Leitlinie, an der sich Ihre Ärzte orientieren. Sie gibt genau vor, welche Krebsart in welchem Stadium wie behandelt und nachversorgt werden sollte. Bei einem früh erkannten und entfernten Tumor kann ein kontrolliertes Abwarten (Surveillance) angezeigt sein. Des Weiteren kommen eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung infrage; beide Therapien erfordern das Hinzuziehen weiterer Fachärzte und ausführliche Beratungen. Wurden bei Ihnen vergrößerte Lymphknoten im Bauchraum festgestellt oder hat der Hodenkrebs bereits Metastasen gebildet, sind gegebenenfalls auch weitere Operationen erforderlich.

Für alle genannten Therapien gilt: Besprechen Sie jeden Schritt ausführlich mit den unterschiedlichen Fachärzten und auch mit Ihren Angehörigen oder Freunden. Bitten Sie Ihren Facharzt, sich beim www.eKonsil.org (siehe Infokasten am Ende dieser Broschüre) kostenlos Empfehlungen zur weiteren Behandlung einzuholen. Hodenkrebs ist sehr gut therapierbar, aber aufgrund der verschiedenen Zelltypen und Stadien können auch viele Fehler gemacht werden. Sie müssen nichts überstürzen und können gegebenenfalls auf die Einschätzung eines weiteren Experten warten.

Unabhängig davon, welche Therapie in Ihrem Fall zur Anwendung kommt: Die verschiedenen Behandlungen sind kraftraubend und für alle Beteiligten eine große emotionale Belastung. Gut zu wissen: In jeder Phase Ihrer Erkrankung können Sie und auch Ihre Angehörigen sich psychologische Hilfe holen. Fragen Sie Ihren Urologen oder auch Hausarzt nach Tipps und Adressen. Sie müssen das nicht alleine schaffen!

Rehabilitation und Nachsorge

Ein wesentlicher Teil der Krebstherapie ist die Nachsorge, die auf die Primärbehandlung des Tumors folgt. Neben einem direkt anschließenden Reha-Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik, der vielen Krebspatienten empfohlen wird, ist vor allen Dingen die engmaschige Kontrolle in den Jahren nach der Hodenkrebsdiagnose extrem wichtig. Sie hat die Aufgabe, Begleit- oder Folgeerkrankungen festzustellen und ein Neuauftreten des Krebses (Tumorrezidiv) rechtzeitig zu erkennen. Etwa fünf Prozent aller Männer mit Hodenkrebs erkranken nach einiger Zeit auch im zweiten Hoden. Die Nachsorge kann Tast- und Ultraschalluntersuchungen, Blutentnahmen, CT- oder MRT-Aufnahmen in regelmäßigen Abständen beinhalten. Sind die Befunde unauffällig, nimmt die Häufigkeit der Untersuchungen im Laufe der Jahre ab. Hierfür gibt es ein festgelegtes Nachsorgeschema, an dem sich die involvierten Ärzte orientieren.

Das Thema Krebs wird Sie also auch nach Abschluss der Therapie noch viele Jahre begleiten. Vor jeder Nachsorge werden Sie aufgeregt und unsicher sein. Nehmen Sie die Termine unbedingt wahr - auch wenn Sie überhaupt keine Lust mehr haben, sich mit dem Thema Hodenkrebs zu beschäftigen.

Liebe, Sex und Kinderwunsch

Für Hodenkrebspatienten stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Entfernung eines Hodens und die Tumorbehandlung auf ihr Sexualleben und ihre Zeugungsfähigkeit haben. Hodenkrebs betrifft in erster Linie junge Männer, bei denen womöglich ein Kinderwunsch besteht oder sich in Zukunft erst noch ergeben wird.

In den meisten Fällen ist von der Krebserkrankung nur ein Hoden betroffen. Der andere Hoden produziert normalerweise ausreichend Testosteron, sodass die Sexualität nicht betroffen ist. Auch die Zeugungsfähigkeit bleibt erhalten, Allerdings haben etwa 50 Prozent der Männer mit Hodenkrebs schon vor der Behandlung eine eingeschränkte Samenproduktion. Ihr Arzt wird sowohl Ihren Hormonhaushalt als auch Ihre Fruchtbarkeit bestimmen und für Ihren ganz individuellen Fall entscheiden, ob eine Hormontherapie oder die vorsorgliche Konservierung von Sperma angezeigt ist.

Ein anderes Thema ist Ihre eigene Lust auf körperliche Nähe und Sex. Eine Krebsbehandlung ist belastend, sowohl körperlich als auch emotional. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner offen über Ihre Wünsche und Sorgen - und finden Sie gemeinsam heraus, was Sie in der aktuellen Situation brauchen. Ein solches Gespräch ist womöglich nicht einfach, aber es wird Ihnen und Ihrer Beziehung guttun. Sie können auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zum Beispiel über eine Paarberatungsstelle.

Für alle kursiv geschriebenen Fachbegriffe finden Sie HIER weiterführende Erläuterungen im Glossar.

Therapieplan checken lassen und Empfehlung einholen: Das Konsil-Portal

Aufgrund der geringen Fallzahlen haben viele Urologen nur selten Patienten mit der Diagnose Hodenkrebs. Zur Verdeutlichung: In Deutschland gibt es mehr als 6.000 Fachärzte für Urologie, aber »nur« etwa 4.000 Hodenkrebsfälle pro Jahr.

Damit die betroffenen Patienten die bestmögliche Therapie bekommen, obwohl ihre Diagnose kein Routinefall ist, gibt es für Urologen die Möglichkeit, unkompliziert ihren Behandlungsplan prüfen zu lassen und eine Empfehlung zur weiteren Therapie einzuholen - per »Telekonsil«. Dafür übermitteln sie die Befunde des Krebspatienten über das Onlineportal "Konsil" (urologie.ekonsil.org) an einen von etwa 40 hochspezialisierten Ärzten aus ganz Deutschland. Innerhalb von 48 Stunden bekommen sie ein Feedback mit Empfehlungen zu ihrem Therapieplan. Die "Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V." geht davon aus, dass bis zu 40 Prozent der Patienten dank "Konsil" eine andere Therapie als ursprünglich vorgesehen bekommen.

Sollten Sie die Diagnose Hodenkrebs erhalten haben, sprechen Sie Ihren Arzt unbedingt auf das Telekonsilprojekt an! Die Nutzung des Konsil-Portals ist grundsätzlich kostenlos; einige Krankenkassen, darunter die Techniker Krankenkasse (TK), vergüten die Leistung aber auch in Form einer Dokumentationspauschale als Aufwandsentschädigung für die anfragenden Ärzte.

»Es ist uns ein großes Anliegen, dass Männer mit der Diagnose Hodenkrebs optimal begleitet und versorgt werden«, begründet Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. »Deshalb setzen wir uns gemeinsam mit der Stiftung Männergesundheit für Aufklärung zum Thema Hodenkrebs ein - und unterstützen das Projekt Konsil, welches die Versorgung der Betroffenen so unkompliziert und zugleich wirksam verbessern kann.«

Take Away Box

  • Pro Jahr wird in Deutschland bei etwas mehr als 4.000 Männern Hodenkrebs diagnostiziert - vergleichsweise eine seltene Tumorerkrankung
  • Diese Krebsart betrifft im Unterschied zu Anderen in erster Linie junge Männer
  • Als Hodenkrebs, Hodentumor oder auch Hodenkarzinom werden krankhafte Veränderungen im Gewebe des Hodens bezeichnet
  • In etwas 97 Prozent der Fälle können Betroffene langfristig geheilt werden
  • Je früher eine bösartige Tumorerkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen
  • Der regelmäßig selbst durchzuführende "Hodencheck" ist deshalb besonders wichtig, da für junge Männer in Deutschland keine regelmäßigen Früherkennungsmaßnahmen angeboten werden
  • Sollten Sie die Diagnose Hodenkrebs bekommen, sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt auf das "Telekonsilprojekt" an, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten