Interessante Studie aus den USA zum Zusammenhang von Prostatakrebs und Testosteronspiegel
Fördert niedriges Testosteron aggressiven Prostatakrebs?
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Jährlich erkranken rund 80.000 Männer daran. Oft verläuft das Wachstum langsam, viele Männer sterben eher „mit Prostatakrebs“ als „am Prostatakrebs“. Doch in etwa 10 % der Fälle ist der Krebs sehr aggressiv. Männer mit einem Testosteronwert von 300 ng/dl oder darunter hatten in einer US-amerikanischen Studie ein um etwa 60 Prozent erhöhtes Risiko, dass sich ihr Tumor zu einer höhergradigen Form (Gradgruppe 3 oder höher) entwickelt. Diese gilt als deutlich aggressiver und behandlungsbedürftiger.
Die Wirkung des Testosterons auf die Männergesundheit
Die Auswirkung von Testosteron auf die Männergesundheit zu messen, ist allgemein schwierig. Denn oft ist Testosteron nur ein Marker dafür, dass etwas nicht stimmt. So sinkt der Spiegel bei Übergewicht oder Bewegungsarmut. In der Studie wurde versucht, diesen Effekt zumindest teilweise herauszurechnen. So wurde in der Studie auch das Gewicht erfasst, das allerdings einen geringeren Einfluss hatte als der Testosteronspiegel. Auch gab es Unterschiede zwischen den einzelnen Ethnien, die nach Angaben der Forscher das Ergebnis verzerren können.
Die Untersuchung
Für die Untersuchung wurden Daten von 924 Männern mit lokal begrenztem Prostatakrebs ausgewertet. Alle Teilnehmer wurden im Rahmen einer Acitive Surveillance über einen längeren Zeitraum beobachtet. Die Forscher analysierten, ob ein Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel zu Beginn der Beobachtung und einer Verschlechterung der Erkrankung besteht.
Die Studie zeigt eine direkte Korrelation zwischen Prostatakrebs und der Wahrscheinlichkeit eines aggressiven Prostatakarzinoms. Ein niedriger Testosteronspiegel war mit einem statistisch signifikant erhöhten Risiko für eine GG3-Progression assoziiert, also einem Zustand, in dem eine aktive Behandlung nötig ist (siehe Kasten "Active Surveillace"). Untersucht wurde also nicht die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, da alle Teilnehmer bereits erkrankt waren. Auch beim mittleren Risiko (GG2) gab es keinen Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel.
Das Ergebnis stützt sich auf eine Untersuchung bei 924 Männern in den USA. Das Durchschnittsalter betrug 63,6 Jahre (SD 8,1). Der Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn andere Risikofaktoren wie Übergewicht berücksichtigt wurden.
Warum Vorsorge und Kontrolle entscheidend bleiben
Gerade Männer ab 50 Jahren – oder früher bei familiärer Vorbelastung – sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Dazu gehören unter anderem:
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Bestimmung der PSA-Werte (bzw. PSA-Dichte)
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Tastuntersuchung der Prostata
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bei Bedarf weitere diagnostische Verfahren
Auch ständiger Harndrang kann ein Hinweis auf eine vergrößerte Prostata sein. Wird Prostatakrebs früh erkannt, sind die Behandlungsmöglichkeiten in der Regel sehr gut. Mehr Informationen dazu finden Sie in unseren Ratgebern zur gutartigen Prostatavergrößerung und zum Prostatakrebs.
Fazit
Die im Journal of Urology der American Urological Society veröffentlichte Studie wirft die Frage auf, welche Rolle der Testosteronspiegel für die Gesundheit von Männern spielt. Noch ist hier vieles unklar. Für verbindlichere Ergebnisse müsste das Ergebnis der Studie repliziert werden. Außerdem müsste das Ergebnis auf weitere Störgrößen untersucht werden, denn Testosteronmangel ist oft die Ursache anderer Einflussfaktoren. Mehr Informationen zum Thema Testosteron finden Sie in unserer Wissensreihe im Band 19.
Quellen
Welt.de: Forscher entdecken Zusammenhang zwischen aggressiven Tumoren und Testosteronspiegel, 18. März 2026, abgerufen unter https://www.welt.de/gesundheit/article69b126a7234864f234f04a00/prostata-krebs-forscher-entdecken-zusammenhang-zwischen-aggressiven-tumoren-und-testosteronspiegel.html am 18. März 2026
Lawen T, Garcia RS, Smith MT, Pyo J, Higgason NM, Robert MJM, et al.: Low Testosterone Levels and Grade Group Progression Among Localized Prostate Cancer Patients on Active Surveillance: A Retrospective Cohort Study. Journal of Urology, 14. Februar 2026, abgerufen unter https://doi.org/10.1097/JU.0000000000004986 am 18. März 2026
Informationsmaterialien zum Thema
02.1 Active Surveillance beim Prostatakrebs
03 Erektile Dysfunktion / Impotenz
17 Gutartige Prostatavergrößerung (BPS)
32 Genveränderungen bei Prostatakrebs
38 Hormontherapie bei Prostatakrebs
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