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Wege zur Verbesserung der Männergesundheit

Die Insel hat, was Deutschland fehlt

Das Vereinigte Königreich hat etwas, das die Stiftung Männergesundheit für Deutschland seit Langem fordert: eine Männergesundheitsstrategie. Diese wird auch ständig fortentwickelt. Ende 2025 wurde eine neue Version der Männergesundheitsstrategie veröffentlicht. Das britische Center for Male Psychology hat diese kommentiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Men’s Sheds, in Deutschland als Männerschuppen bekannt.

Ziele des Berichts

Der neue Bericht soll primär Fakten zu drei Schwerpunktthemen finden, nämlich:

  1. Faktoren, die gesundheitsschädliches Verhalten bei Männern und Jungen begünstigen,

  2. Vorschläge zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und psychischen Gesundheit, insbesondere im Bereich Suizidprävention,

  3. Verbesserungen beim Zugang zu Gesundheitsdiensten sowie der Behandlungserfahrung von Männern.

Das Centre for Male Psychology (CMP) reichte hierzu eine umfassende Stellungnahme ein – ein Blick darauf zeigt sowohl die Stärken als auch die Schwächen des derzeitigen Umgangs mit Männergesundheit.

Die Position des Centers for Male Psychology

Die Stellungnahme des CMP fokussiert vorwiegend auf psychische Gesundheit und Suizidrisiken. Ein zentrales Problem: Viele Männer erkennen eigene psychische Probleme nicht. Häufig wird dies fälschlicherweise auf mangelnde Selbstreflexion zurückgeführt, tatsächlich liegt es jedoch an der andersartigen Symptomatik männlicher Depressionen.

  • Männer zeigen Depressionen oft durch Aggression, Alkohol- oder Drogenkonsum, exzessives Arbeiten oder Rückzug in Computerspiele.

  • Typische Symptome wie Traurigkeit oder Weinen, die eher bei Frauen erwartet werden, fehlen häufig.

  • Gesundheitsfachkräfte erkennen diese „männliche Depression“ selten, ebenso wenig wie Freunde und Familie.

Zusätzlich belasten stressreiche Lebensereignisse die psychische Gesundheit: Trennungen, Konflikte um das Sorgerecht oder Arbeitsplatzprobleme können extreme Belastungen erzeugen. Studien zeigen, dass Beziehungsprobleme für rund 40 % der männlichen Suizide verantwortlich sind, finanzielle Sorgen für 22 %. Langfristige gesundheitliche Probleme spielen ebenfalls eine Rolle.

Hinzu kommt, dass Männer oft weniger Unterstützung suchen, und wenn sie Unterstützung erhalten, ist sie meist auf Gesprächsformen ausgerichtet, die Frauen eher entgegenkommen. Therapeuten sind zu rund 80 % Frauen, was zu Verständnisschwierigkeiten für männliche Lebensrealitäten führen kann.

Lebensereignisse angehen, nicht nur Symptome

Präventive Unterstützungsangebote, etwa rechtliche und psychologische Begleitung während familiengerichtlicher Verfahren, können entscheidend sein. Auch Paarberatung, die ausgewogen auf beide Partner eingeht, kann helfen, bevor Konflikte eskalieren.

Therapie muss männliche Erfahrungen berücksichtigen:

  • Empathie ist zentral. Therapien, die männliche Probleme durch vorgefertigte Theorien wie „hegemoniale Männlichkeit“ oder „Patriarchat“ erklären, greifen oft zu kurz.

  • Männer profitieren von Therapieansätzen, die auf Carl Rogers’ personenzentrierter Methode basieren:

    • Unbedingte Wertschätzung: Akzeptanz ohne Urteil

    • Kongruenz: Offenheit des Therapeuten über eigene Sicht auf Männlichkeit

    • Empathie: Anerkennung der realen Erfahrungen des Mannes

Fokus auf soziale Faktoren statt ausschließlich psychische Diagnosen:
Ein Großteil männlicher Suizide hängt mit sozialen Belastungen zusammen – etwa Scheidung, Sorgerechtsstreit oder Arbeitsplatzstress. Interventionen, die diese Faktoren ignorieren, verpassen den Kern des Problems.

Bessere Zugänglichkeit und Engagement für Gesundheitsdienste

Praxisbeispiele zeigen, wie Männer besser eingebunden werden können:

  • Men’s Sheds: Gemeinschaftsräume für handwerkliche Aktivitäten, ohne Druck, zu reden.

  • Sport- und Aktivitätsprogramme: Männer reagieren positiv auf lösungsorientierte und körperlich aktive Angebote.

  • Gezielte Schulungen: Nach Workshops zum besseren Verständnis männlicher Anrufer blieben diese deutlich länger am Telefon.

Empfehlung: Gesundheitsdienste sollten echte männliche Zentrierung in Therapie und Beratung umsetzen, nicht nur oberflächlich „freundliche“ Maßnahmen. Es geht darum, Männer dort abzuholen, wo sie sind, ihre spezifischen Stressoren zu erkennen und echte Empathie zu zeigen.

Kritik des CMP an der britischen Männergesundheitsstrategie

Im neuen Bericht sieht das CMP seine Vorschläge nur unzureichend berücksichtigt. Statt auf präventive, realitätsnahe Interventionen setze die Strategie stark auf die Annahme, dass „gesellschaftliche Normen männlichen Verhaltens“ die Ursache für schlechte Gesundheit seien.

Kritiker befürchten, dass dies wieder zu ideologisch geprägten Maßnahmen führt, die Männer als problematisch darstellen, anstatt echte Lösungen für ihre gesundheitlichen Herausforderungen zu bieten.

Fazit aus deutscher Sicht

Das Centre for Male Psychology kritisiert, dass soziale Lebensrealitäten, männliche Symptomatik und echte Empathie zu wenig Beachtung fänden. Solange Strategien an Ideologien statt an empirischer Evidenz ausgerichtet seien, sei der Erfolg unsicher. Aus deutscher Sicht muss dagegen festgestellt werden, dass das Vereinigte Königreich überhaupt eine Männergesundheitsstrategie besitzt. Die deutschen Männergesundheitsberichte werden von unserer Stiftung veröffentlicht, weitgehend ohne Unterstützung aus staatlichen Mitteln. Unterstützen Sie uns deshalb gerne durch eine Spende oder eine Mitgliedschaft in unserem Förderverein.  

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