Logo Eckhard Busch Stiftung

Die Eckhard Busch Stiftung unterstützt Betroffene von psychischen Erkrankungen und deren Angehörige. Gründerin und Geschäftsführerin Bettina Busch erzählt im Interview über ihre Stiftung und das neue Kooperationsprojekt mit der Stiftung Männergesundheit.

Stiftung Männergesundheit (SMG): Frau Busch, Sie haben die Eckhard Busch Stiftung gegründet. Was war der Hintergrund und worum geht es der Stiftung?

Bettina Busch Bettina Busch (BB): Ich habe meinen Vater, Eckhard Busch, im Jahr 2000 durch einen Suizid verloren. Im Jahr zuvor erhielt er eine schwere Darmkrebs-Diagnose, die bei ihm zu einer Depression und schlussendlich zum Suizid geführt hat. Nach dem Tod meines Vaters habe ich mich dazu entschieden, mit meiner Mutter gemeinsam eine Stiftung zu gründen. Seit nun bereits 11 Jahren existiert die Eckhard Busch Stiftung und hat sich seitdem sehr weiterentwickelt. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Thema der psychischen Erkrankung sowie die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen. Es ist der Stiftung sehr wichtig, Aufklärungsarbeit gegen das Stigma von psychischen Erkrankungen zu leisten. Wenn wir es schaffen, dass man über Depressionen genauso offen wie über Brustkrebs oder Magengeschwüre redet, dann sind wir auf der Zielgeraden.

SMG: Wie schaffen Sie es innerhalb der Stiftungsarbeit, Ihren Zielen wie der Entstigmatisierung näher zu kommen?

BB: Wir als Stiftung, führen eigene Projekte durch und fördern externe Projekte. Umso mehr wir über psychische Erkrankungen informieren und sprechen, umso höher sind die Chancen, dass wir mehr Offenheit hinsichtlich seelischer Gesundheit in der Bevölkerung hervorrufen.
Eines unserer Projekte heißt ,,Kino zeigt Seele“. Im Rahmen der Aktion werden Filme gezeigt, die Themen wie psychische Erkrankungen oder den Umgang mit Krisen thematisieren. Im Anschluss spricht ein Experte und es gibt die Möglichkeit für eine Diskussion. Solche niederschwelligen, offenen Formate sind sehr wichtig für unsere Arbeit.

SMG: Können Sie in Ihrer Arbeit mit Betroffenen und Angehörigen Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Umgang mit psychischen Erkrankungen erkennen?

BB: Meine persönliche Wahrnehmung ist, dass Männer stiller leiden. Männer machen zunächst viel mit sich selbst aus und gehen oft später als Frauen ins Gespräch mit anderen.
Erschwerend kommt dazu, dass in der gesellschaftlichen Wahrnehmung psychische Erkrankungen häufig mit Schwäche assoziiert werden, was es Männern oft noch schwerer macht, offen über das Thema zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, in dieser Zielgruppe Aufklärungsarbeit zu leisten.

SMG: Kommen einige Ihrer Projekte bei Männern besser an als andere? Was meinen Sie, woran das liegt?

BB: Nach meinem subjektiven Empfinden kommen zum Beispiel Theaterprojekte oder Sportprojekte zumeist sehr gut bei Männern an. Der Teilnehmerkreis bei unseren eigenen Projekten als auch bei Projekten, die wir fördern, ist jedoch grundsätzlich gemischt und ausgeglichen. Trotzdem fällt es Männern manchmal schwerer, an Veranstaltungen teilzunehmen oder sich bei Gesprächen einzubringen.

SMG: Die psychische Gesundheit und der Umgang mit seelischen Erkrankungen ist ein großes Thema auch für uns, die Stiftung Männergesundheit. Die Eckhard Busch Stiftung unterstützt uns bei dem neuen Projekt männerdepressionen.de. Was denken oder hoffen Sie, können wir gemeinsam mit einem hoffentlich wachsenden Netzwerk mit diesem Projekt erreichen?

BB: Durch den Einsatz der Stiftung Männergesundheit und die Fokussierung der Website auf die Zielgruppe der Männer hoffe ich, dass sich Männer anders angesprochen und besonders gesehen und angenommen fühlen. Es wäre auch schön, wenn Nicht-Betroffene durch die Website beginnen, sich mit psychischen Erkrankungen auseinanderzusetzen.
Durch die Pandemie hat die Zahl an Depressionen und Angsterkrankungen zugenommen, auch bei Männern besteht ein großer Bedarf an Unterstützung. Die Website kommt zum richtigen Zeitpunkt, um Männern zu helfen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

SMG: Konnten Sie in den Jahren Ihrer Stiftungsarbeit schon eine Veränderung im Denken der Menschen hinsichtlich seelischer Erkrankungen und bei der Stigmatisierung von Betroffenen erkennen?

BB: In den letzten 10 Jahren ist viel passiert im Umgang mit psychischen Erkrankungen, besonders im Umgang mit Depressionen. Die Depression ist gesellschaftsfähig geworden.
Einer der Gründe ist, dass viele Prominente begonnen haben, offen über ihre Depression zu sprechen und Betroffenen Mut zu machen. Zum anderen wird öffentlich über Themen wie Burn-Out oder Depressionen gesprochen und diskutiert. Über diese Diskussion sind viele Menschen auf die Krankheit aufmerksam geworden und die Wahrnehmung durch die Bevölkerung hat sich verändert.
Bei allen anderen psychischen Erkrankungen sind wir zwar auch weiter als vor 10 Jahren, aber noch nicht weit genug. Bei Krankheiten wie Schizophrenie gibt es nach wie vor viele Berührungsängste.
Für uns als Stiftung ist es wichtig, früh zu informieren und Aufklärungsarbeit zu leisten. Aus diesem Grund organisieren wir auch Projekte für Kinder im Grundschulalter, die über seelische Gesundheit informieren und gegen das Stigma arbeiten. Wir wünschen uns einen offenen, gesellschaftlichen Diskurs über psychische Erkrankungen.

Zurück