Aus der aktuellen Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten
Der EHEC Ausbruch in Zahlen
„Penny ruft Mettwurst wegen EHEC-Gefahr zurück“, „Darmseuche breitet sich unter Kindern weiter aus“ und „Behörden alarmiert wegen vieler EHEC-Fälle“ lauteten die Schlagzeilen der vergangenen Wochen – nicht nur in der Boulevard-Presse. Zwei Personen sollen außerdem an einer EHEC-Enteritis gestorben sein, womöglich sogar eine dritte. Von einem EHEC-Ausbruch ist mittlerweile die Rede.
Die vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Zahlen zeichnen die aktuelle Situation aber weniger dramatisch. In der 43. Kalenderwoche wurden 105 Fälle gemeldet. Das sind etwas weniger als im Schnitt des Jahres 2025 (126 pro Woche, seit Jahresbeginn 5.419) und nur wenig mehr als im vergangenen Jahr im Durchschnitt (87 Fälle im Schnitt, 3.757 bis zur 43. KW).
Allerdings sind die Fälle sehr ungleich verteilt. Betroffen ist vorwiegend der Norden Deutschlands. In Mecklenburg-Vorpommern wurden im aktuellen Jahr pro 100.000 Einwohner mehr als 16 Fälle gezählt, in Bayern und Baden-Württemberg weniger als vier.
Enterohämorrhagische E.coli - dafür steht die Abkürzung EHEC - werden oft durch Nahrungsmittel übertragen, so das RKI. Sie kommen unter anderem im Magen von Wiederkäuern wie Rindern oder Schafen vor. Daher können die Bakterien in rohem Rindfleisch vorkommen, aber auch in Rohmilch. Aber auch Gemüse kann verunreinigt sein, vor allem wenn es mit Mist und Gülle gedüngt wurde. Schließlich ist auch eine Infektion von Mensch zu Mensch möglich.
Masern werden seltener
Ein gutes Zeichen ist dagegen der Rückgang der Masern-Fälle. Ihre Zahl sank von 610 auf nur noch 201. Masern sind eine häufig unterschätzte Krankheit, die durch Impfungen effektiv vermieden werden können. Schon seit den 1960er Jahren stehen entsprechende Impfstoffe zur Verfügung.
2024 war die Zahl der Infektionen mit 610 bis zur 43. Kalenderwoche wieder erstaunlich hoch. Vor 2020 hatten die Zahlen noch höher gelegen, waren dann aber durch die soziale Isolation während der Corona-Jahre zurückgegangen. Außerdem gibt es seit 2020 eine Impfpflicht für Personen in Einrichtungen. Davon betroffen sind sowohl Beschäftigte als auch Bewohner beziehungsweise Besucher von Schulen, Kindertagesstätten, Alten- und Flüchtlingsheimen. Dadurch ist eine große Zahl der Kinder mittlerweile geimpft.
Allerdings gibt es nach wie vor deutliche Unterschiede in den Impfquoten. Das zeigt sich auch in der Maserninzidenz. So waren in den ersten 42 Wochen des Jahres 2025 in Berlin 0,32 Personen je 100.000 Menschen erkrankt, in Schleswig-Holstein keine einzige und in Mecklenburg-Vorpommern 0,06. Im gleichen Zeitraum 2024 waren es in Berlin sogar 2,50 gewesen, in Schleswig-Holstein 0,10 und in Mecklenburg-Vorpommern niemand.
Insgesamt war in den fünf „neuen“ Bundesländern die Maserninzidenz in beiden Zeiträumen niedriger als in den westdeutschen Bundesländern sowie in Berlin. Aus dem Rahmen fällt lediglich Sachsen, das in beiden Jahren leicht über dem Bundesdurchschnitt lag.




