Antibiotikaresistente Krankenhauskeime auf dem Vormarsch
4,8 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr
In den ersten 31 Kalenderwochen des aktuellen Jahres (bis 3. August) wurden dem Robert-Koch-Institut (rki) 6.984 meldepflichtige Infektionen mit den sogenannten „Krankenhauskeimen“. Das sind 4,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damals wurden nur 6.661 Fälle an das rki übermittelt. Erfasst werden Fälle, bei denen eine Resistenz gegen das Reserveantibiotikum Carbapenem oder gegen Methicillin vorliegt. Weil Carbapeneme nur zum Einsatz kommen, wenn bereits andere Antibiotika ausprobiert wurden, sind die Zahlen ein guter Indikator für die Verbreitung multiresistenter Keime, die sich nur schwer bekämpfen lassen.
Uneinheitliche Entwicklung
Bei Bakterien der Gattung Acinetobacter sowie Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen (MRSA) ging die Zahl der meldepflichtigen Infektionen deutlich zurück. Für Erstere gab es 405 Fälle, das sind 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei der MRSA-Variante sank die Zahl immerhin um 5,5 Prozent auf nur noch 405 Fälle.
Dass am Ende trotzdem ein Plus steht, liegt primär an Infektionen mit Bakterien aus der Ordnung der Enterobacterales. Erfasst wurden dabei nur Fälle, bei deren Behandlung eine verringerte Wirksamkeit gegen Carbapeneme festgestellt oder im Labor eine Carbapenemase-Determinante gefunden wurde, die eine solche verringerte Wirksamkeit bedingen kann. Auf sie entfallen 84 Prozent aller meldepflichtigen Infektionen, nämlich 5.895 Fälle. Das sind 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Eine stille Pandemie?
Große Gefahr geht von Resistenzen gegen Carbapeneme aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt diese Wirkstoffgruppe in der Kategorie RESERVE, deren Vertreter erst eingesetzt werden dürfen, wenn Therapien mit anderen Antibiotika nicht erfolgreich waren. Sind Bakterien auch gegen diese unempfindlich, bleiben nur wenige Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb besteht eine Meldepflicht für Bakterien der Gattung Acinetobacter sowie für Enterobakterien, wenn diese nicht oder nur eingeschränkt auf ein Antibiotikum aus der Gruppe der Carbapeneme ansprechen oder wenn eine Carbapenemase-Determinante nachgewiesen wird.
Erfasst werden auch methicillinresistente Staphylococcus-aureus-Stämme (MRSA). Zwar wird das Antibiotikum Methicillin heute kaum noch verwendet. Es dient aber als guter Indikator für Multiresistenzen, also für eine Unempfindlichkeit von Bakterien gegen verschiedene Antibiotika.
Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Multiresistenzen gegen Antibiotika daher als „stille Pandemie“. Bereits 2002 wurden in Deutschland fast 10.000 Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen vermutet, weltweit waren es 1,3 Millionen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 hält bis 2050 eine Zunahme auf weltweit 169 Millionen Fälle für möglich.
Diese Resistenzen entstehen, weil immer eine geringe Zahl von Bakterien gegen die Antibiotika resistent ist. Das ist eine Folge der genetischen Vielfalt, selbst innerhalb einer einzelnen Art. Wird ein Antibiotikum eingesetzt, überleben diese als Einzige und vererben diese Resistenz an ihre Nachkommen.
Daher wird versucht, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Zuletzt konnte eine Studie „einen ermutigenden Fortschritt bei der Verringerung der Antibiotikaresistenz“ bei Nutztieren feststellen, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete. Es bleibt daher die Hoffnung, dass dieser Erfolg auch beim Menschen wiederholt werden kann.






